Zurück zum Ursprung – Stoning Roll meets Mirza Atug (05. April 2018)

Um 10 Uhr trafen sich an der Katholischen Kirche in Thier rund 20 Personen unterschiedlicher Herkunft und Religion. Norbert Caspers, der Pastoralreferent, hatte diese Etappe organisiert, die den Mühlstein zur Eisenbahnbrücke nach Wipperfürth brachte. Dort wurde der Stein an Stefan Höne übergeben.

Außerdem hatte die Familie Mirza Atug am Mahnmal viele Leckereien vorbereitet.
Als erstes möchten wir hier den Erfahrungsbericht von Norbert Caspers bereitstellen:

“Wenn et läuft, dann läuft et“, so sagt ein geflügeltes Wort. Ich kam kaum hinterher, als der Mühlstein des Künstlers Michael Flossbach aus Wipperfürth (Egerpohl) ab Thier am 5. April 2018 um 10.20 h Fahrt aufnahm. Ich hatte nach der Vorstellungsrunde der 20 Teilnehmer und der Einführung des anwesenden Künstlers noch etwas zu regeln mit dem Filmteam des „Domradios“ und folgte dadurch verspätet der Friedenstruppe.

Erst kurz vor Hermesberg konnte ich die Friedensboten mit dem rollenden Stein wieder einholen.

Der Wandermodus und vielleicht auch das Bewusstsein einer weltumspannenden Vision und Mission brachten offensichtlich Schwung in die Gruppe und es verbreitete sich unterwegs bald eine heitere Atmosphäre mit vielen Gelegenheiten für anregende Gespräche. Da störte auch nicht der ein oder andere Regenschauer, der vom Himmel fiel.

Neben einigen Thierern waren vor allem auch Vertreter der in Wipperfürth ansässigen Weltreligionen vertreten: Christentum, Islam, Buddhismus. Der AK „Interreligiöser Dialog“ war weitgehend der Einladung gefolgt und gab dadurch ein lebhaftes Zeugnis für den gemeinsamen Traum eines friedlichen und respektvollen Miteinanders in der Welt.

Unterwegs hinter Klespe wurde immer mal das Wort „Friede“ mit Kreide in Deutsch, Türkisch oder Japanisch auf die Straße oder auf Telegraphenmasten geschrieben.

Als der Stein uns -den Gesetzen der Schwerkraft folgend - auf der Leye den Berg hinunterzog, verkündete Herr Zurnaci, dass in den Räumen der türkischen Moschee-Gemeinde Tee für uns alle bereit stände. Gerne nahmen wir auch diese Einladung an und wärmten uns bei wechselhaftem Aprilwetter an dem Angebot orientalischer Gastfreundschaft.

Dann ging es weiter zum auffallend menschenleeren Marktplatz, wo uns vielleicht nur die Web-Cam registriert hat, und dann schließlich zum Hausmannplatz 1, wo einige Senioren an unserem gemeinsamen Friedensgebet teilnahmen.

Jede der vertretenen Weltreligionen hatte ein Gebet vorbereitet und es war berührend zu sehen, wie sich die Friedenssehnsucht der Menschen in allen Religionen in wunderbaren Texten niederschlägt…

Dann ging es weiter über die Wupper, an der früheren Eisenbahnbrücke vorbei, zu Mirza Atug. Hier wartete aramäische Gastfreundschaft auf uns mit Kaffee, Tee und kleinen Köstlichkeiten aus der aramäischen Küche, dazu ein wärmendes Kaminfeuer unter selbst gemauerten Lavasteinen und Steinen aus aller Welt, die der Künstler Atug selbst zusammengetragen und vermauert hat. Auch ein beeindruckendes Friedenssymbol.

Es folgten dann die offizielle Übergabe des Steins von Michael Flossbach an Stefan Höne, der den Stein am Samstag, den 7. April 2018 mit einigen gleichgesinnten Pilgern nach Marienheide weiterrollen wollte.

Der Künstler wollte die durch ihn angestoßene Friedensbewegung nur noch bis zu seinem Elternhaus in Egerpohl begleitet. Dann wollte er bewusst loslassen und der Eigendynamik der Bewegung vertrauen. Bis hierhin an die Wupper wäre das Echo schon so überwältigend, sagte er, dass er volles Vertrauen in die Kraft des Steines habe, und er habe bisher ganz bewusst allen Versuchungen wiederstanden, den Weg des Steins nach seinem Loslassen irgendwie weiterlenken zu wollen, auch wenn es schon einige Versuche gegeben hätte, die Bewegungen des Steins an andere Bewegungen wie z.B. auch die des Katholikentages in Münster anzukoppeln oder an die Interessen des WDR, die eine umfassende Reportage dazu drehen wollten. Der Stein müsse nun allein - ohne ihn – seinen Weg finden, so Flossbach. Der Stein gehöre nun allen.“ (Norbert Caspers)

Mirza Atug ist mit dem Kulturpunkt nicht nur in Wipperfürth bekannt als Künstler und Förderer der Kunst und Kultur. Ein wichtiges Anliegen ist ihm auch das Verständnis der Völker, Religionen und Kulturen untereinander. Mirza ist Aramäer und somit Christ. Sein Volk wurde wegen des Glaubens verfolgt und ermordet.

Zur Erinnerung an diesen Völkermord baute er ein Mahnmal an seinem Haus an der Wupperstraße in Wipperfürth gegenüber den Ohler Wiesen. Nachdem der Mühlstein wieder deutlich schneller unterwegs war als geplant, ließ sich am Zielort niemand aus der Ruhe bringen.

An der Eisenbahnbrücke hielten Michael und Mirza noch eine Ansprache, bevor die symbolische Übergabe des “Stoning Roll” an Stefan Höne erfolgte. Dieser versprach, den Mühlstein mit Symbolcharakter dann zwei Tage später sicher nach Marienheide zu bringen.

Anschließend waren alle herzlich eingeladen zu Kaffee, Tee und kleinen Köstlichkeiten aus der aramäischen Küche. Mirza begrüßte die Gäste in seinem Kunstwerk, in dem der eingebaute Kaminofen wohlige Wärme spendete.

Mirzas Tochter Gabi hatte noch ein Friedenslied vorbereitet, das von allen Anwesenden in drei Sprachen mitgesungen wurde. Danach wurde zu unterschiedlichen Themen diskutiert, aber auch noch weitere Lieder angestimmt, bevor sich dann so nach und nach die Gäste verabschiedeten.

Der Mühlstein blieb für die nächsten zwei Nächte am Völkerdenkmal.

Unser Video von diesem Tag wird noch nachgereicht, aber auf unserem YouTube-Kanal ist die sehr schöne Reportage von Beatrice Steineke (Domradio.de) zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=wRiZk44Hqlc

Vielen Dank an Norbert Caspers für den tollen Bericht mit Bildern und die Organisation. Herzlichen Dank auch an Familie Atug für die Bewirtung und an Gabi Atug-Schmitz für die Fotos in Wipperfürth.